Die Segelflug-Landesligasaison 2023 startete zwar schon offiziell am 3. April-Wochenende, allerdings konnten die Pilot*innen vom LSV Papenburg-Hümmling e.V. ,wie auch alle anderen Vereine im Wertungsgebiet, erst am vergangenem Wochenende ins Geschehen eingreifen. Für das Team vom Steinberg war es aufgrund des Wetters jedoch eine äußerst außergewöhnliche Runde: Waren die Wetterprognosen für ganz Niedersachsen doch sehr minimalistisch (DWD-Wetterprognose: aufgrund abschirmender Bewölkung und aufkommender Niederschläge ist kaum nutzbare Thermik zu erwarten), so durfte man sich laut den lokalen Wetterdiensten eine leise Hoffnung auf ein fliegbares Wetterfenster im nördlichen Emsland entlang der holländischen Grenze machen.
Die Hoffnung und Erwartungen wurden dann bereits am Samstag mehr als erfüllt, als Martin P. unter der abschirmenden Bewölkung die ersten Dunstkappen erahnen konnte. Schnell wurde die Antares 20E, die ab dieser Saison ganz offiziell auf den Namen „Bravo Lima“ hört, an den Start gezogen. Um kurz nach 13:00 Uhr kreiste die „BL“ in der Thermik über dem Steinberg.

Die Antares 20E mit ihren 20 Metern Spannweite im Windenstart
„Neben dem Check, ob alles noch tut, war das Ziel auch eine kleine Ligawertung zu erreichen“ resümiert Martin am Samstagabend. „Die Steigwerte waren mitunter ganz gut, allerdings verblies der kräftige Südwind diese oft. Das blieb über den ganzen Tag so und man konnte meistens nur 200-300m mitnehmen, bevor man den Aufwind verlor.“ Da am Samstagabend dunkle Schauerlinien die Ems hochzogen und auch lokal Gewitterwarnungen ausgesprochen wurden, bog Martin bei Cloppenburg ab und flog mit ca. 200 km/h zurück zum Flugplatz, „um nicht im Regen abrüsten zu müssen“.

Nahende Regenschauer zogen von Holland her an der Ems nordwärts und hätten Martin womöglich eine ungewollte Dusche beim Abrüsten verpasst – daher mit über 200 km/h Richtung Heimat!
Martins Fazit des Samstages: „Geiler Tag, und für die Liga mit 79,75 Speed-Punkten in der Landeskasse erstmal vorgelegt.“ (Link zum kommentierten & bebilderten Flug)
In der Zwischenzeit konnten die Mitglieder des LSVPHs wieder einigen Interessierten den Segel- und Ultraleichtflug näher bringen. Eine kurze, unkomplizierte Kontaktaufnahme per Instagram hat so z.B. gereicht, damit Oliver einen eindrucksvollen, 30 minütigen Rundflug über sein Heimatort und seinen jetzigen Wohnort machen konnte. „Wow, ich bin total begeistert und komplett überfordert mit den ganzen Eindrücken! Man sieht so viel spannendes aus ganz neuen Perspektiven!“ berichtete unser Fluggast begeistert.

Viele Gäste genießen regelmäßig die Aussicht aus unserem UL „Sierra Bravo“ während eines Rundfluges über dem nördlichen Emsland!
Unsere neusten Schnupperer Jan und Nelson kamen am Samstag bei ihren Schulungsflügen auch auf ihre Kosten. Jan war total begeistert und hat laut seinen Fluglehrern „jetzt schon ein gewisses Händchen für die Fliegerei bewiesen“ – Herzlich Willkommen ihr beiden!
Ein ähnliches Wetter wie am Samstag erwarteten die Liga-Pilot*innen auch für den Sonntag, sodass schon früh am Morgen zahlreiche Anhänger zum Start gebracht, Flugzeuge aufgerüstet und eine Flugtaktik besprochen wurde.

Reger Betrieb auf dem Surwolder Steinberg! Die Anhänger der Liga-Pilot*innen sind zu diesem Zeitpunkt schon leer und die ersten Kilometer stehen auf dem Kilometerkonto!
Mario nahm als erster das Rennen mit seinem Ventus bT „MX“ auf, ehe im Minutentakt Ingo mit der ASW 20 „ISM“ und sein Sohn Moritz in der LS 4 „FR“ die Verfolgung aufnahmen. Die Abschirmung hielt sich auch am Sonntag hartnäckig, sodass man laut Moritz „zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit genügend Sonneneinstrahlung sein musste“. „Das war ich leider einmal nicht, sodass ich nach knapp 40 Minuten zur Landung ansetzen musste“, resümierte er im Anschluss. Grund zur Trarigkeit war dennoch fehl am Platz, schließlich hat Moritz mit 10 Stunden und 9 Minuten Flugzeit nach Scheinerhalt jetzt die Passagierflugberechtigung und kann ab sofort Gäste, Freunde und Familie auf einen Rundflug im Segelflugzeug mitnehmen – herzlichen Glückwunsch!
Sowohl Ingo als auch Mario flogen erst einmal gegen den recht starken Südwind an, um in Anschluss einen langen Rückenwindschenkel für die Speed-Wertung der Landesliga zur Verfügung zu haben. Mario flog bis an das Flugbeschränkungsgebiet des Atom-Kraftwerkes Emsland in Lingen und nutzte im Anschluss die Wolkenstraßen bis nach Westerstede.

Tolle Wolkenstraßen bilden sich in dem strammen Südwind – zur Mittagszeit wurde die Abschirmung kurz schwächer und die Basishöhen stiegen bis auf 1500 m Höhe!
Apropos Westerstede: Von seiner Home-Base startete Michael mit seiner Stemme S10 „TX“ für den LSV Papenburg-Hümmling e.V., kreuzte den Flugplatz Steinberg bei Surwold in etwa 1000m Höhe und wendete zwischen Meppen und Haselünne. Nach knapp 2 1/2 Stunden und 178 km Flugdistanz konnte Michael somit 60,54 Punkte in die Wertung mit einbringen (Link zum Flug).
Andre war etwas später mit dem Vereins-Hochleistungsdoppelsitzer Duo Discus gestartet und flog ebenfalls gegen den Wind an. Nachdem Ingo ihm den ersten guten Aufwind des Tages zeigte flogen die beiden ein ganzes Stück in räumlicher Nähe.

Ähnlich wie unser Twin und unser UL in diesem Bild flogen auch Andre und Ingo Fläche an Fläche gen Süden – immer auf der Suche nach dem nächsten guten Aufwind!
Zwischen Sögel und Lathen trennten sich ihre Wege, denn Andre flog zu neueren, kleineren Wolken während Ingo sich für die größeren, aber älteren Wolken entschied. Ingo schien die bessere Wahl getroffen zu haben, da Andre sich bald in 350m Höhe über den Moorflächen des Schießgebietes der WTD91 wiederfand.

Über der Moorlandschaft am nördlichen Rand des Schießgebietes der WTD91 in Meppen konnte Andre endlich wieder brauchbares Steigen finden und somit eine Außenlandung vermeiden!
Ingo kehrte mit seiner „ISM“ nach etwa 2 Stunden Flugzeit und etwas über 80 km Flugdistanz auf den Steinberg zurück um seinen Flugleiterdienst wahrzunehmen.

Ingo ist zurück nach seinen Liga-Flug mit der ASW 20 „ISM“
Andre und Mario trafen sich über dem Bad Zwischenahner Meer in einem Aufwind wieder.

Tolle optische Eindrücke und ebenso tolle Steigwerte fanden Mario und Andre über dem Bad Zwischenahner Meer!
Ab da an ging es für Mario zurück nach Surwold und für Andre noch ein Stück Richtung Norden nach Rastede. Um 15:48 Uhr berührte das Fahrwerk des Ventus‘ nach 221 km und 74,06 Speed-Punkten die Piste „25“ in Surwold (Link zum bebilderten Flug).

Das Wetter hat nach Marios Landung deutlich abgebaut – die Abschirmung wurde immer stärker und so zerfielen Stück für Stück die Thermikwolken…
Die Wertungsliste aus den drei schnellsten Flügen vervollständigte Andre dann mit seinem 270 km langen Flug mit 66,70 Speed-Punkten (Link zum kommentierten & bebilderten Flug).
Nachdem wir allein mit Martins Flug vom Samstag der Runden- und Tabellenplatz 1 am Samstag Abend inne hatten, konnten wir die Tabellenführung am Sonntag eindrucksvoll verteidigen. Mit 220,51 Speed-Punkten konnten die LSVPHler*innen mit meilenweitem Abstand den Rundensieg vor dem Zweitplatzierten, der LSG Wolfenbüttel (88,40 Speed-Punkte) und dem drittplatzierten SFV Hoya (76,91 Speed-Punkte) einfahren. Überhaupt schafften in ganz Niedersachsen nur sieben Teams eine Landesliga Wertung zu erfliegen, davon war der LSV Papenburg-Hümmling e.V. der einzige Verein mit 3 Wertungsflügen – ein Zeichen für unsere Team-Stärke!

Mit voller Team-Stärke (wie hier beim Longest Day Fliegen im Sommer) war es möglich, als einziger Verein in Niedersachsen drei Wertungsflüge einzureichen!
Nachfolgend in alter Manier die Links zu den Wertungen:
Landesliga Niedersachsen Tageswertung Runde 2:
Landesliga Niedersachsen Tabelle nach Runde 2: