Surwold. Während die Thermik derzeit noch auf sich warten lässt, wird in der Werkstatt des Luftsportverein Papenburg Hümmling e.V. großer Einsatz an den Tag gelegt: Die Mitglieder nutzen die winterlichen Monate, um ihre Flugzeuge einer umfassenden Wartung zu unterziehen. „Ohne diese Arbeiten könnten wir im Frühjahr nicht loslegen“, erklärt Heribert Zdralik, Werkstattleiter des Vereins, während Mitglieder Tragflächen und Rümpfe polieren oder Steuerstangen und Instrumente kontrollieren.

Unter den wachsamen Blicken des Werkstattleiters können die Mitglieder und Flugschüler vielerlei Aufgaben an den Flugzeugen selbst übernehmen und dabei viel lernen!
Rund 90 Aktive zählt der Verein, der sein Segelfluggelände auf dem Steinberg bei Surwold betreibt. Über den Winter stehen 6 Segelflugzeuge und das Ultraleichtflugzeug auf dem Programm – erst findet die Grundreinigung statt, dann folgt die gründliche technische Durchsicht nach den Vorgaben der Hersteller. Kleine Macken im Lack, etwas Staub und vertrocknetes Gras – eine Saison voller Schulungs- und Leistungsflüge hinterlässt ihre Spuren an den wertvollen Maschinen. „Wir wollen unsere Flugzeuge nicht nur sicher halten, sie sollen auch gepflegt aussehen“, sagt Michael Knies, während er mit einer speziell für Segelflugzeuge vorgesehenen Politur über die Flächen wischt.

Viel Fingerspitzengefühl erforderlich: Michael Knies schleift ausgebesserte Lackstellen an, sodass der Rumpf wieder glatt ist und ohne zusätzlichen Widerstand durch die Lüfte gleiten kann!
Die Werkstattarbeit ist dabei kein reiner Expertenjob. Unter Leitung der „alten Hasen“ und dem Werkstattleiter packen alle mit an – vom Berufstätigen bis zum 15-jährigen Flugschüler. Für den Luftsportverein ist das bewusst so: Der Verein möchte junge Menschen nicht nur ans Fliegen, sondern auch an die Technik der Segelflugzeuge heranführen. Wer versteht, wie ein Flieger gebaut ist, fliegt auch verantwortungsvoller.

Den Kindern und Jugendlichen der Region für die Luftfahrt zu begeistern, ist dem Verein eine Herzensangelegenheit!
In diesem Winter stand für das Ultraleichtflugzeug eine 1.000 Stundenkontrolle des Getriebes an – „eine Arbeit, die selten anfällt und entsprechend viel Know-how erfordert“, so die Motorenwarte des Vereins, Ingo Zdralik und Simon Untiedt. Ebenfalls zu den Wartungsprogrammen gehören die Startwinde und die zahlreichen Betriebsfahrzeuge. Moritz Zdralik kümmert sich u.a. um den Trecker und das dazugehörige Mähwerk, damit das Fluggelände mit seiner mehr als 1.000 m langen Startbahn und seinen 2 Landebahnen regelmäßig gemäht werden kann.

Jede Menge Schläuche und Kabel – dank der gut ausgebildeten und erfahrenen UL-Warte Ingo und Simon lief die Kontrolle ohne Beanstandungen!
Einer der „Greenkeeper“ des Vereins, Richard Hübscher, verbringt für dem monatlichen Mähgang mehr als 15 Stunden auf dem Trecker und lächelt dabei, wenn er erklärt, welche Anforderungen das in einem Naturschutzgebiet liegende Fluggelände, inmitten der größten zusammenhängenden Heidefläche im Hümmling, an Fahrer und Gerät stellt.

„Greenkeeper“ Richard ist die gute Seele des Clubgeländes und kümmert sich, stets mit einem Lächeln auf den Lippen, um die Pflege der Außenanlage – dabei ist die Größe des Mähwerks sekundär…
Ganz ohne Zwischenstopp geht es allerdings bei dem Arbeiten am Wochenende nicht: Zur Mittagspause kommen die Helfer im Clubheim zusammen, stärken sich und tauschen Erlebnisse aus der vergangenen Saison aus. Die Atmosphäre ist familiär – da unterscheidet sich die Werkstatt des Clubs dann glücklicherweise doch sehr von der Arbeit in einem Betrieb.

Wenn es in der vollgepackten Werkstatt mutterseelen leer wird, kann das nur einen Grund geben: Kaffeetrinken und plaudern im Vereinsheim!
Im März wird es dann ernst: Ein amtlicher Prüfer des Luftsport-Verband Niedersachsen begutachtet jedes Flugzeug im Detail, bevor es wieder in den Himmel darf. „Das ist im Grunde unser TÜV – und den nehmen wir nicht auf die leichte Schulter!“, erklärt das technische Team. Bisher hat der Verein jedes Jahr ohne Beanstandungen abgeschnitten – ein Ergebnis des peniblen Blicks und der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.
Bis zur Abnahme bleibt noch viel zu tun. Doch sobald das Wetter mitspielt, wollen die Piloten wieder abheben. Und wer selbst einmal mit dem Gedanken spielt, Segelfliegen auszuprobieren, findet auf dem Flugplatz eine offene Tür: Ab 14 Jahren kann man in Schnupperkursen einsteigen – und das weitaus günstiger als viele denken. Die Fluglehrer arbeiten ehrenamtlich und die Ausbildungsflugzeuge stellt der Club. Somit ist der Sport nicht teurer als ein Abo im Fitnessstudio.

Das gemeinsame Ziel der fleißigen, ehrenamtlichen Mitglieder: Zum Saisonstart im April müssen alle Flug- und Fahrzeuge gewartet sein… Noch ist viel zutun…
Der 2. Vorsitzende des Vereins, Martin Deepen, ordnet das Engagement des Vereins bewusst ein: „Wir sehen das als Verpflichtung gegenüber der Region und dem Nachwuchs“, sagt er. „Viele von uns haben selbst in diesem Verein das Fliegen gelernt, und wir geben diese Chance gern weiter. Wenn wir durch ehrenamtliche Ausbildung und faire Konditionen dafür sorgen können, dass Jugendliche ein sinnvolles, anspruchsvolles Hobby entdecken, dann ist das für uns ein Teil dessen, was unseren Verein ausmacht.“
Aktuelle Informationen zum Verein und dem baldigen Start in die neue Saison findet man auf der Internet Seite www.segelflug-papenburg-huemmling.de

