Ein Reisebericht von Winfried und Heinz zur ihrem Rundflug um Berlin

Einmal um Berlin

Am 22.06. soll das Wetter für die nächsten Tage gut werden. Startzeit in Surwold 08:30h local. Wir steigen auf 3000ft,die Flugsicht beträgt mehr als 30Km. Die Grundgeschwindigkeit ist 148 Km/h.Erstes Etappenziel nach ca. 300 Km ist Stendal wo ein Tankstop erforderlich ist. Nach dem üblichen Funkanruf bekommen wir keine Antwort.  Auf dem Tower treffen wir auf einen leicht irritierten Flugleiter der sich nicht sicher war ob sein oder unser Funkgerät nicht sendet. Wir mussten dann feststellen dass die Sendeleistung unseres Funkgerätes zu schwach war.

Unser nächstes Ziel ist Bienenfarm. Wir fliegen den Platz nicht direkt an, sondern folgen der Elbe auf Wunsch von Heinz stromabwärts nach Havelberg wo die Havel in die Elbe mündet. Weiter geht es über Stölln/Rhinow nach Bienenfarm zur Landung. Stölln,der älteste Flugplatz der Welt , ist bekannt durch seinen Gollenberg von dem Lilienthal seine Flugversuche startete und letztendlich sein Leben dabei verlor.

Eine Sensation war 2009 die letzte spektakuläre Landung einer DDR Iljuschin IL-29, durchgeführt von Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach auf der nur 900m langen Graspiste.(sh you tube ) Die Maschine wird heute als Standesamt und Restaurant benutzt. Leider ist der Platz PPR und damit in der Woche nur gegen eine Landegebühr von 30 EUR anfliegbar.

Der Flugplatz Bienenfarm hat einen sehr gepflegten 900m langen Grasplatz. Landepiste und Rollweg nur vom feinsten. Voll konzentriert flog Winfried,im Glauben die Piste vor sich zu haben,den Platz an bis Heinz ihn fragte warum er den nicht die Landepiste nehmen würde die sei aber etwas weiter links,dies sei der Rollweg. Ein kurzer Schlenker nach links und der Anflug stimmte wieder. Hallo!! :Tunnelblick,“Menschliches Leistungsvermögen“!

Am Platz standen Fahrräder zur Verfügung. Das haben wir für einen kleinen Ausflug nach Ribbeck genutzt. Den Stumpf des Birnbaumes des “ Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland „ haben wir vor der Kapelle gefunden. Besichtigt wurde die Grabstätte derer von Ribbeck ebenso das Schloss und die Kapelle. Den Funkturm am Alex rechts von uns ging der Flug von Bienenfarm weiter an Oranienburg vorbei nach Eberswalde/Finow nordwestlich von Berlin. Ein riesiger Flugplatz der Nazis bis 1945, dann von den Russen übernommen und weiter ausgebaut.Heute ist die Landebahn von ursprünglich 2500m auf 1000m „gestutzt“ .Im Herbst soll der Platz rechts und links der Piste mit Solarzellen bestückt werden. Ein Funkanruf brachte natürlich nichts auf Grund unserer schwachen Sendeleistung. Wir waren aber darauf eingestellt und flogen dicht am Tower vorbei damit der Flugleiter uns sehen konnte. Die Bestätigung das wir gesehen werden bekamen wir durch einen Anruf im Gegenanflug :“ das UFO das bei uns landen möchte;: wir haben die 07 in Betrieb Wind aus…abrollen über Bravo….“ Beim Bezahlen der Landegebühr haben wir den Flugleiter über unser Funkproblem aufgeklärt.Das sollte sich für uns noch positiv auswirken.

Der Weiterflug zur Abschlusslandung führt uns über Werneuchen und Strausberg nach Eggersdorf östlich Berlin. In Strausberg wird die Stemme gebaut. Eggersdorf Info empfing uns mit dem Hinweis;“ Ihr seid schon angemeldet „ und gab uns die gewünschte Landeinformationen. Das Fliegerheim bietet Übernachtungsmöglichkeiten die wir gerne genutzt haben. Den Abend haben wir mit Bier und informativen Gesprächen, u.a. mit dem polnischen CT-Vertreter, ausklingen lassen.

Nach dem Frühstück geht es am nächsten Morgen weiter Richtung Schönhagen (südlich Berlin). Der Kurs führt über die Spreelandschaft über Königs-Wusterhausen, die Spreelandschaft mit viel Wasser und noch mehr Wald vorbei an Berlin-Schönefeld mit dem neuen Flugplatz BBI. Im Anflug Gegenanflug auf Schönhagen wurden wir dank telefonischer Voranmeldung wieder über Funk angesprochen und mit Landeinfos versorgt. Da sich am Platz eine Avionic-Werkstatt befindet lassen wir unser Funkgerät testen mit dem Ergebnis, dass wir nur über eine sehr geringe Sendeleistung verfügen und das Funkgerät zum Hersteller in die Reparatur muss. Dann also zurück nach Surwold.

Heinz hat noch einen Sonderwunsch: einmal über Potsdam das Schloss Sanssouci mit den tollen Gärten von oben sehen. Kleine fliegerische Herausforderung: nur nicht über 2500 ft, bei der Thermik gar nicht so einfach. Unter uns die Havellandschaft mit sehr viel Wald und Wasser. Ausweichplatz sind der Flugplatz Saarmund und Brandenburg/Mühlenfeld den wir ja noch von einem der letzten Fliegerlager her kennen. Stendal war wieder gut fürs Tanken ,Essen und Wetterinfo. Das Wetter sollt auf Kurs nicht mehr so gut sein.

Also fliegen wir dem Wetter entgegen und hangeln uns von einem Platz zum anderen. Bis Hoya ist alles i.O. Am Horizont tauchen Wolken auf. Wir landen in Hoya um uns weiter zu beraten. Die Front ist nahe. Der Weiterflug wird unterbrochen, weil plötzlich ein Bulli vorfährt und der Fahrer uns fragend anschaut wo wir den herkommen und was wir vorhaben. Wir überzeugen ihn davon das dies eine Sicherheitslandung ist und wir auf dem Weg nach Surwold uns beraten haben wie wir weiter verfahren. Ein Blick auf sein Handy überzeugte ihn davon das wir richtig gehandelt haben. Wir sind dann so verblieben, dass wir den nächsten Platz also Ahlhorn anfliegen oder umdrehen und wieder in Hoya landen.

Ahlhorn ist wettermäßig okay, also weiter nach Varrelbusch. Richtung Surwold sieht es gut aus,also weiter. Über Markhausen fängt es an zu regnen. Wir weichen den Schauern mehr oder weniger aus. Die Sicht ist ausreichend, ebenso der Wolkenabstand. Ab Lorup haben wir die Rückseite erreicht und mit der Landung in Surwold hat die Reise um Berlin einen guten Abschluss gefunden. Die Flugzeit betrug ca. 10 Std. Die zurückgelegte Strecke ca. 1150 Km.

One Response to “Einmal um Berlin, 1.150 km, 10 Stunden Flugzeit”

  1. G. Borowitz, Antworten

    Am 23. Oktober 1989 landete Kallbach einen Langstreckenjet dieses Typs (Kennzeichen DDR-SEG) auf der nur 850 Meter langen Grasbahn des Landeplatzes Stölln – also bereits 20 Jahre vor eurer Annahme von 2009 in eurem ansonsten interessanten Bericht.
    Gruß Gerhard

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